UNTERKRUMBACH — Was der 17-jährige Gitarrist Diknu Schneeberger mit seinem Vater Joschi am Kontrabass und seinem Gitarrenlehrer Martin Spitzer an der Rhythmusgitarre bereits beim Auftaktkonzert des 8. Hersbrucker Gitarrenfestivals dem Publikum boten, ließ keine musikalischen Wünsche offen. Herrlicher Gypsy Jazz und Djangoswing, authentisches Material und Kreationen aus eigener Feder, jedoch im typischen Gewand, fesselten am Samstagabend die Zuhörer bei den Möbelmachern.
„ Zeit zu leben, “ mit diesem Motto eröffnete Herwig Danzer den Abend, ganz im Sinne der Slow City Philosophie Hersbrucks, deren Vorzeigeprojekt das internationale Gitarrenfestival sei. „Heute Abend nehmen wir uns die Zeit für Musik, “ so Danzer und verwies auf eine entstehende CD, auf der Künstler des Gitarrenfestivals und talentierte junge Künstler zu hören sein werden und die vom Rotary Club Auerbach unter dem Motto „Völkerverständigung “ und „Förderung der Jugend “ finanziell „angeschoben “ wird. Natürlich könnten sich auch noch Firmen, Serviceclubs und andere Menschen daran beteiligen.
Hersbrucks Bürgermeister Wolfgang Plattmeier fasste sich kurz und begrüßte im Anschluss zahlreiche Ehrengäste, darunter seine Stellvertreterin Brigitta Stöber und den stellvertretenden Landrat Norbert Dünkel und dankte den Sponsoren für deren Unterstützung. „Heute gehört es einfach dazu, “ so Plattmeier über das anfangs noch nicht so angenommene Festival, bei dem es heute immer mehr „Größen “ und „Highlights “ zu hören gibt.
Ohne große Worte kurz eingezählt und ab ging die Reise für die Zuhörer. Das Trio um den jungen Nachwuchsgitarristen Diknu Schneeberger, Gitarrenwunder und Virtuose aus Wien, bot ein wahres Feuerwerk an Virtuosität und Spielfreude. Seine Finger flogen nur so über das Griffbrett, absolut perfekt, rhythmisch und sauber was hier geboten wurde. Ein klasse Timing, sehr schönes Melodiespiel, gefühlvoll, ob bei langsamen oder schnellen Stücken. Das erst seit einem Jahr zusammenspielende Trio agiert auf einem Niveau der allerersten Güte.
Ob Stücke von Django Reinhard oder aus eigener Feder, ob interpretiertes Material von Santana oder das durch Chick Chorea bekannte „Light as a feather “ - hochwertiges und schwierigstes Material wird in einer enormen Leichtigkeit dargeboten, die an Birelli Lagrene erinnern lassen. Getragen von seinen beiden Mitspielern stehen dem Solisten Diknu alle Türen offen. Sein filigranes Solospiel zeichnet ihn aus. Ohne Hinzusehen arbeitet sich Diknu Schneeberger leichtfingrig über das ganze Griffbrett, ein Könner, der erst vor dreieinhalb Jahren das Gitarrenspiel begonnen und davor Schlagzeug gespielt hat. „Es kann schon vorkommen das ich die Gitarre ein paar Tage nicht anfasse, “ so ein lockerer Diknu Schneeberger im Gespräch in der Pause, der sich danach noch um das weitere Programm kümmerte. Ganz ohne Allüren, einer zum Anfassen, einer der gerne über sein Spiel spricht und lacht bei der Frage, wie er sich nach nur drei Jahren diese komplexen Stücke merkt und alles aus dem Kopf spielt.
Der Abend wird zu einem „Tanz auf dem Griffbrett “. Normalerweise klingt nach einiger Zeit gypsy-Swing jeder Song ähnlich, wie bereits gehört - bei diesem jungen Talent in keinster Weise. Hier hat einer das exakt richtige Gefühl, versteht es mit einer irrwitzigen Leichtigkeit und wirklichen Emotion zu spielen, die jemandem in die Wiege gelegt sein muss und irgendwann ausbricht. Diknu Schneeberger fesselt, weckt Interesse durch sein Spiel, ist ein begnadeter Gitarrist, der den perfekten Ton hat, egal ob im Geschwindigkeitsrausch, im Vordergrund oder in wunderschöner schwülstiger Jazzmanier als Teambegleiter, wie beim „Minor Blues “ oder bei „Sandys Bolero “, dem Stück seines Lehrers Martin Spitzer, der seinen „Schüler “ trägt, aber seine eigenen Soli nicht verstecken muss.
Nach einem letzten, dreigeteilten Stück von Django, Spitzer und „Papa “ Schneeberger reißt es die Zuhörer von den Stühlen und es gibt Beifallsstürme. Nach Zugaben und einem klasse Akustik-Musikabend mit tollen Künstlern und super Sound, ohne mächtig was auf die Ohren, bleiben keine Wünsche offen. Was mag da in dieser Woche noch kommen? Und wie mag dieses junge Übertalent wohl in zehn Jahren spielen? Die CD „Rubina “ des Trios ist jedenfalls jetzt schon ein Leckerbissen und ein Muss für alle Gypsy Fans!

Hersbrucker Zeitung 8/2007